Folgender Artikel erschien am 22.11.2004 im "Darmstädter Echo":


Hie Orgel, da Trommel

Jahreskonzert: Türkische Klänge begeistern beim Griesheimer Akkordeon-Orchester

GRIESHEIM. In Griesheim ist man selbst bei einem Jahreskonzert des Instrumentalvereins vor Überraschungen nicht sicher. Dass Abuseyf Kinik Lieder aus Anatolien zur siebensaitigen Saz (einer türkischen Langhalslaute) singt und dabei von seinem Sohn Aliyar am Schlagzeug begleitet wird, ist dann wohl doch ungewöhnlich zu nennen: Der zwölfjährige Aliyar aus Ober-Ramstadt hat sich bereits Preise bei „Jugend musiziert“ ertrommelt. Er gilt in der Perkussions-Gruppe der Akademie für Tonkunst in Bessungen als Nachwuchstalent und ist seit neuestem festes Ensemble-Mitglied des Griesheimer Akkordeon-Orchesters, das am Samstag unter der Leitung von Peter Löw in der vollbesetzten Hegelsberghalle sein Jahreskonzert gab.

Der Abend begann feierlich mit barocker Orgelmusik. Das Präludium in Es-Dur (Bach-Werke-Verzeichnis 552) scheint wie geschaffen für ein Ensemble dieser Art. Überhaupt erzielt der Klangkörper einen Großteil seiner Wirkung, weil sein Repertoire das musikalische Gespür des Orchesterleiters widerspiegelt. So waren, wenn der Nachwuchs spielte, beispielsweise leichtgesetzte Gospels zu hören und schlagerhafte Stücke, wenn die Nachwuchsgruppe „No Names“ sich dazugesellte. Peter Löw selbst übernahm die Ansagen und führte humorvoll durch das Programm. Zur Auflockerung konnten einige Mitglieder auch solistisch glänzen, wie das Akkordeon-Duo Andrea Hemmer und Sohn Benedikt.

Die Stärke des Griesheimer Akkordeon-Orchesters liegt jedoch in der Programm-Musik. So waren am Samstag ein facettenreich gestaltetes Potpourri aus dem Walt-Disney-Musical „König der Löwen“ zu hören und ein witzig arrangiertes "Krimi-Puzzle" mit Melodien aus beliebten TV-Serien. Löw weiß, dass viele Menschen am liebsten populäre Melodien hören, weswegen er am Ende Medleys aus Hits der Bee Gees und der Beatles spielen ließ. Kein Wunder also, dass viel gejubelt und geklatscht wurde. Doch während des musikalischen Höhepunktes war es dann mucksmäuschenstill: Peter Löw vertauschte den Dirigentenstab mit einem Akkordeon und interpretierte „Heinrich IV“ von Astor Piazolla. Bei der Begleitung zeigte das Akkordeon-Orchester, zu welch feinen Klangfarben es fähig ist.

Marc Mandel
22.11.2004