Das Akkordeon - Geschichte und Geschichten
Der Legende nach soll der Chinesische Kaiser Kwanin um 2.770 vor Christus ein Instrument erfunden haben, welches auf dem Prinzip der frei schwingenden Stimmzungen beruhte und so als Urvater unseres heutigen Akkordeons gilt. Über St. Petersburg, Paris nach Wien kam diese Konstruktion. Dort erhielt 1829 Cyrill Demian ein Patent für ein erstes "Accordion".
Schon bald wurden Instrumente in Gera/Thüringen, von der Fa. Kalbe in Berlin, Fa. Gessner in Magdeburg und in Klingenthal hergestellt. Gegen 1828 begannen mehrere Handwerker in Trossingen im Schwarzwald mit der Fertigung von Mundharmonikas. Als 1878 in Klingenthal eine neuartige Fräsmaschine konstruiert wurde, begann die industrielle Herstellung in Trossingen in vier Fabriken: Messner, Weiss, Hohner und Koch.
Besonders die Fabrik von Matthias Hohner (1833 - 1902) entwickelte sich rasant. Um die Jahrhundertwende wurden l.000 Menschen beschäftigt. Matthias Hohner übergab im selben Jahr seinen Betrieb an seine fünf Söhne.
1903 begann die Fertigung von „Ziehharmonikas". Nach einigen Schwierigkeiten und nach großem Werbeaufwand vergrößerte sich der Betrieb rasch und hatte 1913 ca. 3.000 Mitarbeiter. Die Zahl der Instrumente war enorm, so sollen 1906 über 100.000 hergestellt worden sein, davon ca. 13 % Akkordeons. Seit 1914 konnten Akkordeons mit Knopf oder Tasten und wahlweise mit 24, 36, 48, 60, 64, 80 und 120 Bässe hergestellt werden.
1928 holte Ernst Hohner zur Entwicklung und Fertigung von Spitzenmodellen den erfahrenen Akkordeonkonstrukteur Venanzio Morino von Genf nach Trossingen,. Morino arbeitete bis 1956 bei Hohner. Als Nachfolger wurde Giovanni Gola 1952 geholt, 1972 ging Gola in den Ruhestand. Beide Männer leben weiter in den von ihnen entwickelten Instrumenten, die noch heute gefertigt werden.
Eine Besonderheit der Firma Hohner war die mit großem Erfolg von ihr angestoßene Orchesterbewegung. Zuerst für Mundharmonikas, dann Ende der 20er Jahre auch für Handharmonikas. Vorbild hierfür war die Schweiz. Sicher, in erster Linie als Werbung für ihre Instrumente gedacht, aber auch zur allgemeinen Musikerziehung, auch in Schulen. Ab 1929 wirkte zudem das Hohner-Harmonika-Orchester, heute als Orchester Hohnerklang Trossingen eV. Der Name Herrmann Schnittenhelm ist hier zu nennen, 1931 wurde der Deutsche Harmonika Verband und 1935 eine Musikschule gegründet, die ab 1942 als Städtische Musikschule Trossingen firmierte. Am „Hohner-Konservatorium" können in sechs bis acht Semestern mehrere Fachkombinationen studiert werden.
Das Akkordeon verfügt über eine musikalische Bandbreite, die ihresgleichen sucht. Von der Unterhaltungs-Musik, über Jazz und Rock-Musik bis zu zeitgenössischen Kompositionen ist das Instrument zu hören, die Namen der bekannten Interpreten würde Seiten füllen.
Ja, und was wurde aus Hohner? Nach schlimmen Fehlentscheidungen im Management musste ein wirtschaftlicher Niedergang in den 80er Jahren festgestellt werden. Letztlich stieg 1997 eine taiwanesische Investmentgesellschaft ein, sie besitzt heute 7o % der Matth. Hohner AG. Mit ca. 200 Mitarbeitern in Trossingen und Fertigungen in Tschechien und China wird versucht, verloren gegangenen Boden wieder gut zu machen. Den ersten Rang in Design und Komplexität der Instrumente haben sich heute italienische Hersteller erarbeitet. Diese stellen hervorragende Instrumente her, allerdings sind sie als Sponsoren für die Orchesterbewegung nicht hervorgetreten. Nach wie vor leben die deutschen Hersteller, Hohner und eine bescheidene Zahl kleinerer Betriebe, von dem, was im 20. Jahrhundert erarbeitet wurde. Die Zukunft wird zeigen, ob das auf Dauer reicht.
(Viele Zitate und statistische Angaben aus „ 100 Jahre Hohner Akkordeon ..." , Edition Bochinsky 2004)